Jun 14

VorMagazin 2014

Naomi Devil begann ihre Karriere bereits im Alter von sechzehn Jahren. Eigentlich wollte sie Mode-Designerin werden, doch zwei grundlegende Erfahrungen brachten sie von diesem Weg ab. Ein Besuch der Saatchi Galerie in London und ein dreiwöchiger Kurs in der Internationalen Sommerakademie der Bildenden Künste in Salzburg überzeugten sie davon, dass Malerei mehr sein kann als die Landschaftsmalerei ihres Großvaters. Plötzlich war Malerei nicht mehr tot. Für Naomi Devil eröffneten sich endlose Möglichkeiten, um Malerei Leben einzuhauchen, um zeitgenössische Ideen und Lebensstile auszudrücken.

Seit zehn Jahren arbeitet Naomi Devil kontinuierlich an ihrer Kunst und lässt sich nicht in eine Schublade stecken. Ihr Hunger nach Veränderung, neuen Zielen und Wissen führt sie immer
wieder in neue Bereiche. Er sorgt dafür, dass unaufhaltsam neue Fragen entstehen, die nach unkonventionellen Antworten drängen. Künstler sollen ihrer Ansicht nach zurückkehren zu den Wurzeln eines Polyhistors, wie Leonardo da Vinci es war oder wie einst Dalí, der neben seiner Malerei auch Möbel und Schmuck designte. Ein Künstler sollte fähig sein, über die Grenzen einer Leinwand hinauszugehen. Man könne es sich in einer Welt wie heute, in der sich alles so rasend schnell verändert, nicht mehr leisten, sich auf eine Sache zu konzentrieren. Auch als Künstler müsse man sich dem Tempo anpassen. Dazu passt auch ihr Credo, dass ein Projekt für jede Art von Künstler – sie versteht darunter auch Architekten und Grafikdesigner – immer eine neue Herausforderung darstellen solle, das dazu zwingt, etwas Innovatives zu schaffen.

Naomi Devils künstlerische Produktion manifestiert sich zwischen De- und Rekonstruktion, De- und Komposition. Die Arbeiten aus 2013 sind zum einen lebensgroße Portraits in Öl mit surrealistischen Zügen, zum anderen große Stillleben von frei erfundenen Insekten und Früchten. Das Hauptthema einer weiteren Serie hat Naomi Devil ihrer lebenslangen Faszination an der konsumgeilen Jugendkultur und virtuellen Realitäten gewidmet. Da sie von zuhause aus unterrichtet wurde, war ihr einziger sozialer Kontakt das Internet. Chatrooms, Fashionblogs und Computer-Rollenspiele waren für ihre spätere künstlerische Entwicklung, nebst den Extremen der Horror-Pop-Kultur und der zuckersüßen Disney Welt, von großer Bedeutung. In ihrer Arbeit zeigt sich die Idee eines zweiten nicht existierenden Online-Lebens. Ein Leben in Freiheit, beherrscht von Illusionen und Träumen, in dem die schrägsten Genmanipulationen und ein schwereloser Raum ohne jegliche physikalischen Gesetze möglich sind.

Die neuen Arbeiten aus 2014 fügen ihren früheren Themen der sexuellen Befreiung und dem Feminismus der westlichen Welt noch mehr Schärfe hinzu. Die Künstlerin verwendet hierzu Portraits aus historischen Gemälden von der Renaissance bis zum Barock und positioniert die Figuren in neuen zeitgenössischen Kontexten, um die Unterschiede der verschiedenen Epochen zu unterstreichen. So werden barocke Hofdamen Alkohol trinkend oder eine Zigarette rauchend, in männlichen Posen und Jedi-Ritter-Kostümen mit Lichtschwertern dargestellt. Auch Gemälde von den alten Meistern, die Szenen und Figuren der griechischen Mythologie zum Inhalt haben, dienen Naomi als Vorlage. Naomi Devils Spezialität ist es, einen ein wenig absurden und ironischen Blick auf eine bestimmte Sache zu werfen, der den Betrachter verwirrt und verwundert zurücklässt. Ihr Wunsch ist es, ihren Werken eine gewisse Hieronymus Bosch Qualität zu geben, die das zu rationale, westliche Gehirn herausfordert. Bosch stellt Verlangen, Träume und Verlockungen auf reduzierte Weise dar. Die Künstlerin Naomi Devil tut dies anders. “Unsere Gesellschaft bietet uns alle Formen von Glück und verwirklichbaren Träumen. Ich vergrößere, verändere und erfinde neue Formen und erschaffe fingierte Räume für sie.“ Als Beispiel seien ihre riesigen Malereien von erfundenen Früchten genannt, die genauso farbenfroh sind wie die Werbungen von heute. „Sie verführen uns. Wir wollen in sie hineinbeißen, obwohl wir nicht hungrig sind.“

Für Naomi Devil ist es besonders wichtig, mit neuen Technologien zu experimentieren. Sie arbeitet mit Methoden wie 3D Modellierung, Fotomanipulation und scripted computer art. Ebenso hat sie eine kybernetisch programmierte Skulptur entwickelt.
Durch die Vermischung figurativer Kunst und computergenerierter Abstraktion hat Naomi Devil eine Bildsprache entdeckt, die sie auch in Zukunft weiterverfolgen will. Diese Art von Mixed-Media-Kunst ist harte Arbeit. Dies spornt sie jedoch sogar noch an und offeriert ihr neue Möglichkeiten, die es noch zu entdecken gilt. Naomi Devil hat an diesem sehr frühen Zeitpunkt ihrer Karriere ihre künstlerische Identität entdeckt und einen eigenen Themenpool kreiert. Diese junge Künstlerin will nicht für etwas bekannt werden, das sie vor zehn oder zwanzig Jahren geschaffen hat. Sie will für ihre Fähigkeit bekannt werden, Menschen mit ihrer Innovation und ihrem Umdenken überraschen zu können.

 

Übersetzung, Lektor: Jasmine Falmbigl ( Rote Teppich für Junge Kunst)

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